| Humanistische Partei Ideologie Positionen Agenda Archiv News Feeds Newsletter Beitreten | Missbrauch von Psychopharmaka bei Kindern Gegenüber dem äusserst einseitigen und verantwortungslosen Artikels des TA in seiner heutigen Ausgabe bezüglich dem Segen der Ritalinverschreibung stellen die Europäischen Humanisten fest:„Hyperaktivität oder Konzentrationsschwäche bei Kindern hat in Großbritannien in den letzten 7 Jahren um 9000 % zugenommen. Die Produktion von Amphetaminen ist in 7 Jahren von 2 auf 16 Tonnen gestiegen und die Schulen bieten mittlerweile einen Markt dafür. Die pharmazeutischen Labore haben ein klares wirtschaftliches Interesse daran, die Probleme des Lebens mit Medikamenten zu lösen, und schon jetzt gibt es für jedes Medikament eine Krankheit. Es wundert nicht, dass Kinder und Erwachsene die Einnahme von „Psychodrogen“ als angenehm empfinden. Sie überwinden damit gemeinsame Schwierigkeiten in ihrer Entwicklung, nur dass diese neuerdings als „Verhaltensstörungen“ katalogisiert werden. Diese vermeintliche Symptomatik wird dann festgestellt, wenn die einfache Notwendigkeit eines Kindes nach Aufmerksamkeit, Bewegung, Spiel und Ansprache als pathologisch eingeordnet wird. Man kann Kinder nicht zum Schweigen bringen und lähmen, ohne ihre körperliche, emotionale und intellektuelle Entwicklung zu beeinträchtigen. Auch wenn diese Psychopharmaka anfangs augenscheinlich gut funktionieren und die „störenden Symptome“ zudecken, auf lange Sicht verstärken sie die Unruhe und dämmen die intellektuelle Kreativität ein. Sie führen zu emotionalen Blockaden und vermindern definitiv das Bedürfnis und die Lust zu leben. Der Drogenkonsum, der so oft schon benutzt wurde, um die verändernde Kraft der jungen Generation zu zerstören, ist zu einer Institution geworden. Dazu tragen Publikationen (wie jetzt die des TA) bei, die vom Gebrauch der Psychopharmaka und über die Diagnostik, berichten – eine Diagnostik, die keinen Raum lässt zu fragen, unter welchen Bedingungen dieses Kind lebt, oder was es in der Schule lernt oder welchem heuchlerischen und gewaltvollen System es sich in der Familie und in der Umgebung unterworfen sieht. Kinder sind nicht nur die wehrloseste Schicht der Gesellschaft, sondern auch die sensibelste. Ihre Konflikte bringen genau die Gewalt, den Widerspruch und die erkrankte Gesellschaft zum Ausdruck, die sie umgibt – die uns umgibt. Ihre “Symptome” mit Psychopharmaka zuzudecken, ohne über die Gewalt in den Familien und die wachsende Frustration einer Gesellschaft nachzudenken, die ihre Spiritualität verliert, weil sie dem Geld hinter her läuft, heißt blind zu sein. Die Augen zu verschließen vor den gewaltvollen Modellen in unserer Welt, während wir versuchen den Kinderschrei durch Pillen zum Schweigen zu bringen, heißt verrückt zu sein. Es ist dringend notwendig, nachzudenken und auch Maßnahmen zu ergreifen. Kinder sind keine Gruppe von potentiellen Kranken, sondern ein Teil von uns selbst, als menschliche Gemeinschaft. Die Kindheit verlangt nach Aufmerksamkeit und nach einem wachen Blick und sie zeigt uns die augenscheinliche Notwendigkeit, unserem Leben und unserer Gesellschaft Kohärenz zu verleihen. Wir fordern Kontrollmechanismen, damit es nicht zu einer systematischen Verabreichung von Psychopharmaka bei Kindern und Erwachsenen kommt. Wir fordern eine vollständige Überwachung der Taktiken der Pharmaindustrie bei der Eröffnung neuer „Märkte“. Wir ermutigen zu einer breiten öffentlichen Diskussion über die Konflikte, in die nicht nur die MitarbeiterInnen der Gesundheitsversorgung oder der Bildung verwickelt sind, sondern auch Eltern, soziale Organisationen und die Politik. Wir bringen dieses Thema, das ins Dunkel der Interessen getaucht wurde, ans Licht. Die daraus entstehenden Überlegungen werden Wege der Veränderung aufweisen, die wir als menschliche Gesellschaft beschreiten müssen.“ Giorgio Schultze Sprecher des Neuen Humanismus in Europa www.giorgioschultze.eu |
